Robert Blum ist zurück

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Karben. Am 9. Juli 1848 hat Robert Blum schon einmal zu den Petterweilerinnen und Petterweilern gesprochen. Nun, auf den Tag genau 178 Jahre später, kam er zurück. Wieder hat er sein Publikum mitgerissen und für angeregte Debatten gesorgt. Das lockere Format des Theaterpicknicks dürfte zu der intimen Atmosphäre beigetragen haben.


„Mutig müssen wir sein“ – dazu fordert Robert Blum immer wieder auf. Für seine Rede ist Blum, Mitglied der deutschen Nationalversammlung, am 9. Juli 1848 nach Petterweil gekommen. An diesem Donnerstagabend, 178 Jahre später, ist es Eike Mathis Hackmann, der Robert Blum wieder zum Leben erweckt und erneut vor dem Petterweiler Publikum spricht. Hackmann und Katharina Kurschat als Blums Assistent Martin nehmen die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf diese Zeitreise, als vieles unsicher war, als es Mut brauchte.
Am 9. Juli 2026 kommen Martin und Herr Blum, wie sein Assistent den Politiker nennt, gemeinsam in Petterweil an. Martin ist erschöpft – „Ich kann keine 100 Schritte mehr gehen“ – und Blum strahlt vor Freude, gibt seinem Assistenten Kraft. Der lockere Austausch geht über in das Hauptthema des Abends: die Rede, die Blum vor den Petterweiler Bürgerinnen und Bürgern gehalten hat. „Was soll ich sagen?“, fragt Blum seinen Assistenten. Er testet eine erste Rede, aber „das ist es nicht“.

Diesen Moment der Unsicherheit von Robert Blum nutzt das Stück, um eine neue Stimme einzuführen. Der Gedenkstein für Robert Blum bekommt selbst die Chance, seine Geschichte zu erzählen. Im Laufe des Abends agiert er, gesprochen von Michael Quast, immer wieder mit Martin und Blum. Vor allem weist der Gedenkstein auf die Wichtigkeit eines Mahnmals hin.
Auch das Publikum wird in das Stück eingebunden. Spontan bekommen vier Frauen Zettel von Sebastian Miers, der das Stück immer wieder mit sanften Klängen seiner Gitarre begleitet, in die Hand gedrückt. Damit bekommen sie ihre eigenen Rollen in dem Theaterstück, das das Publikum durch die intime Atmosphäre, aber auch mit Witz und Charme mitnimmt.


Schlussendlich ist es Martin, der Robert Blum die zündende Idee für seine viel erwartete Rede gibt: Die Natur muss vorkommen. „Warum Natur?“, wundert sich Blum anfangs; „Weil das alles Bauern sind“, entgegnet Martin. „Woher willst du das wissen?“ – „Wir sind in einem Dorf auf dem Land im Jahr 1848. Was sollen sie sonst sein?“ Diese komödiantischen Einlagen lockern das Stück an verschiedenen Stellen auf, ohne die Ernsthaftigkeit des Themas zu schmälern.
Und so bringen Blum und Martin das Publikum zum Nachdenken – „Wo wir Hoffnung gesät haben, ernten wir Enttäuschung.“ Auch Martins kritische Frage „War das wirklich die Rede?“ soll hier anknüpfen. Ist die Rede, die von dem Lehrer Weygand überliefert wurde, die tatsächliche Rede gewesen? Hat der Lehrer vielleicht vergessen, Aspekte niederzuschreiben? Beim Vergleich der gerade gehaltenen Rede und der Niederschrift stellen sie fest: „Da steht nix mit Mut“, wie Martin es formuliert. „Aber wir wissen, dass die Rede bewegt hat“, sagt Blum.
Zum Ende des Stückes dreht sich die Dynamik zwischen Robert Blum und seinem Assistenten Martin. Es ist der Moment, in dem Blum auf seinem Gedenkstein liest, dass er in vier Monaten sterben wird. Während Blum mit seinem Schicksal hadert, ist es Martin, der mit dem Gedenkstein debattiert. Es ist Martin, der die Zuschauerinnen und Zuschauer zum Mitsingen animiert, und es ist Martin, der vor Freude strahlt und Herrn Blum Kraft gibt – „Ich kann keine 100 Schritte mehr gehen“ –, als sie aufbrechen wollen. Der Kreis schließt sich an dieser Stelle: Robert Blum, Vorreiter der Demokratie, der die Massen bewegt, und Martin, der einfache Bürger, der den Gedanken weiterträgt.
Rundum sorgte das Stück für Begeisterung: Regisseur Maxime Mourot war von den vielen Menschen im Publikum überwältigt und das Publikum war von der Inszenierung begeistert, freute sich aber zudem auch, die Geschichte hinter dem Gedenkstein genauer zu erfahren.
Von Jennifer Ningel


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