Zwischen Bad Vilbel-Dortelweil und Djilor in Senegal liegen rund 5800 Kilometer. Trotz der Entfernung zwischen Deutschland und dem Senegal sind die Kontakte zwischen einzelnen Bürgerinnen und Bürgern aus Bad Vilbel, Mainz und dem Dorf Djilor, das in der zentralwestlichen Region Sine-Salo liegt, eng.
Bad Vilbel.
Kürzlich legte Bürgermeister Lansana Sano aus der der Gemeinde Djilor, die von 47 Dörfern und sieben Stadtteilen mit mehr als 24.000 Einwohnern gebildet wird, einen Zwischenstopp auf seinem Weg nach Frankreich in Dortelweil ein.
Der Bürgermeister ist für die Entwicklung der gesamten Region verantwortlich, die eine Fläche von rund 440 Quadratkilometern umfasst. In Deutschland wollte er vor allem neue Partnerschaften in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sport und Infrastruktur knüpfen und den bisherigen Unterstützern danken. „Die Unterstützung aus Bad Vilbel und Mainz trägt maßgeblich dazu bei, die Lebensbedingungen vieler Menschen, insbesondere der Kinder, zu verbessern. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Sano.
Den Grundstein für den regelmäßigen Austausch und die Hilfe legte vor sechs Jahren eine Gruppe aus Bad Vilbeler Bürgern. Zu ihnen gehört Rubini Gueye aus Mainz, die in Bad Vilbel aufgewachsen ist und am Georg-Büchner-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat.
Inspiriert durch Nelson Mandela
Die Gruppe gründete den gemeinnützigen Verein Carez-Foundation mit dem Ziel, die Bildungs- und Lebensbedingungen im Senegal und anderen Ländern nachhaltig zu verbessern. Rubini und Oumar Gueye bilden das Vorstandsduo der Carez-Foundation. Oumar Gueye stammt aus Goudem, begleitet die Projekte vor Ort mit. Dadurch fließen die Spenden direkt in die Hilfsmaßnahmen, ohne Verwaltungsaufwand oder bürokratische Verluste.
Inspiriert durch das Zitat des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela, „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern“, wurden Bürger, Vereine und Unternehmen aktiv. Die Entwicklung des ehrgeizigen Projekts vor Ort begleitete Abdoulaye Dia, der Neffe von Oumar Gueye. Er hat 2020 mit finanzieller Unterstützung der lokalen senegalesischen Gemeinde und Hilfsmitteln von Familie Gueye die Grundschule in Goudem gebaut.
Durch diese enge Zusammenarbeit und das Engagement vieler Bürger ist aus einer Idee ein nachhaltiges Hilfsprojekt geworden, das vielen Menschen in Goudem langfristige Perspektiven eröffnet. Die Bad Vilbeler spendeten mehrfach für das Projekt „Schule im Senegal“ des Vereins Carez-Foundation. So konnte unter anderem dank vieler Unterstützer im Dorf Goudem, das mitten im Landesinneren der Republik Senegal liegt, eine Grundschule mit zwei Klassenzimmern gebaut werden. Eltern der Grundschüler beteiligen sich zu 25 Prozent an den Baukosten für die beiden Klassenräume. Zum ersten Jahrgang gehörten 140 Schülerinnen und Schüler, die von fünf Lehrern unterrichtet wurden. Die Gehälter für die fünf Lehrer finanzierte Abdoulaye Dia von seinem Einkommen.
Da der Zuspruch von Anfang an viel höher als geplant war, wurden die Schülerinnen und Schüler in Schichten in mehreren Gruppen und zu unterschiedlichen Zeiten unterrichtet. Zahlreichen Kindern wird so bis heute der Zugang zu Bildung ermöglicht.
Dortelweiler Weihnachtsmarkt
Doch mit der Fertigstellung der Schule endeten weder der Kontakt noch das Engagement der Wetterauer Unterstützer. Im Laufe der Jahre wurden zwei weitere Klassenzimmer und Toilettenanlagen durch den Erlös des Dortelweiler Weihnachtsmarktes finanziert.
Jedes Jahr gehen zudem ausgediente, aber gut erhaltene Schulranzen aus Bad Vilbel durch die Unterstützung der örtlichen Grundschulen auf die lange Reise nach Goudem. Dort werden sie inklusive Spenden der vorherigen Besitzer in Form von Federmäppchen, die bestückt sind mit Füllern, Blei-, Bunt- und anderen Stiften, Spitzer und Radiergummi sowie Heften und Papier an Grundschülerinnen und -schüler verteilt.
Auch Unternehmen und Vereine engagieren sich regelmäßig für das Projekt. Die Firma Brother stellte einen Drucker zum Drucken von Arbeitsblättern für die Schüler zur Verfügung, Turnvereine spendeten verschiedene Sport- und Spielgeräte. Das Team des DRK-Kleiderladens stellt regelmäßig Sachspenden für die Schule und die Menschen vor Ort zusammen.
Landflucht von jungen Menschen abbremsen
Im Zweijahresrhythmus besucht Familie Gueye ihre Verwandtschaft im Senegal. Mit auf die Reise gehen dann von ihnen mit vielen benötigten Dingen gepackte Container, deren Transport sie mit eigenen Mitteln finanzieren. Derzeit bittet die Carez-Foundation Bürger und Unternehmen um Spenden zur Ausstattung eines Computerraums in der Schule. Benötigt werden dafür eine Videoleinwand und ein Beamer sowie 20 Laptops. „Das Internet ist bereits durch einen großzügigen Spender gesichert. Sollte die technische Ausstattung zusammenkommen, dann kann mit Beginn des neuen Schuljahres im Oktober 2026 die digitale Zukunft für die Schüler beginnen“, sagt Rubini Gueye.
Getroffen hat Bürgermeister Lansana Sano in Dortelweil auch den Unternehmer Jürgen Jordan von ESPEN Organics. Sein Sohn David hat mit ihm in Djilor die Espen Organics Sénégal Sari aufgebaut, die mit Bauern aus der Region Bio-Cashews und Baobab-Öl anbaut, die er in seiner Fabrik verarbeitet und vertreibt. So sind 150 Arbeitsplätze geschaffen worden, die helfen, die Landflucht von jungen Leuten abzubremsen und Bauern ein Einkommen zu ermöglichen.

