Baustellen-Frust zieht weiter

|

von:

|

Teilen ↪

Anstatt langsam über die offene Fahrbahn (rechts von der Absperrung) an der Ecke Burg-Gräfenröder Straße/Ludwigstraße zu fahren, brettern Rad- und Motorradfahrer über den Bordstein an der Baustelle vorbei (links).

Die Großbaustelle am Ortseingang Groß-Karben dauert an. Über Monate war die Ecke Burg-Gräfenröder Straße/Ludwigstraße gesperrt – in der Theorie. In der Praxis leiden die Anwohner unter rücksichtslosem Durchgangsverkehr, waghalsigen Manövern und hupenden Pöblern. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) setzt auf Entschärfung durch den nächsten Bauabschnitt.

Karben
Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann es kaum glauben: Autos, die sich in beachtlichem Tempo auf dem Gehweg an gerade rangierenden Baustellenfahrzeugen vorbeidrücken. Motorräder, die – auch an schwer einsehbaren Ecken – über den Bordstein brettern. Bei den waghalsigen Manövern in der Baustelle Burg-Gräfenröder Straße/Ludwigstraße wirbelt der Staub auf, während die Anwohner kopfschüttelnd danebenstehen. „Die Beschilderung, dass hier gesperrt ist und es eine offizielle Umleitung gibt, ignorieren viele völlig“, beobachtet Roland Seibel, der direkt an der betroffenen Ecke wohnt. Gemeinsam mit anderen Anwohnern, die namentlich nicht genannt werden möchten, sagt er: „Das Schlimmste aber ist die extreme Rücksichtslosigkeit der Fahrer.“ Allein beim kurzen Ortstermin mit drei Betroffenen sind rund ein Dutzend solcher Szenen zu beobachten. Schnurstracks und scheinbar ortskundig manövrieren Auto-, Rad- und Motorradfahrer in die gesperrte Baustelle hinein.
Von der Stadt fühlen sich die Anwohner im Stich gelassen. „Es wäre ein Einfaches gewesen, frühzeitig regelmäßig durch das Ordnungsamt zu kontrollieren“, sagt ein Anwohner. „Damit hätte man das Problem frühzeitig lösen können, weil sich herumgesprochen hätte, dass Strafen drohen.“ Doch das Ordnungsamt habe nicht eine Kontrolle durchgeführt – obwohl es mehrfach angerufen worden sei, unterstreicht eine weitere Anwohnerin. Alternativ hätte man auch Hindernisse, etwa einen Pfosten oder eine Schwelle, montieren können, so eine Idee der Anwohner, möglicherweise auch eine verstärkte, anders platzierte Beschilderung. Sie hätten sich ein gemeinsames Überlegen mit der Stadt gewünscht.
Denn dass der Durchgangsverkehr – in den Sommermonaten bis in die Nachtstunden hinein – eine Lärm- und Staubbelästigung darstellt, ist die eine Sache. Viel schwerwiegender ist für die Anwohner jedoch der Sicherheitsgedanke. Die Hofeinfahrt des Anwohners liegt genau im zuletzt stark betroffenen Baustellenabschnitt. „Es wäre schon mehrfach fast zu einem Unfall gekommen, weil Fahrräder oder Motorräder auf dem Gehweg mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahren.“ Einige Meter daneben mündet der Röderweg in die Burg-Gräfenröder Straße – eine extrem schwer einsehbare Ecke, die regelmäßig Passanten queren. „Wenn hier über den Bordstein gefahren wird, stellt das eine Gefahr für die Fußgänger dar“, sagt Roland Seibel, während auf der anderen Straßenseite tatsächlich gerade ein Rennradfahrer auf dem Bordstein in letzter Sekunde abbremsen kann, als ein Jugendlicher mit Hund um die Ecke kommt. „Wir sind einfach froh, dass noch nichts passiert ist.“
Bürgermeister Guido Rahn (CDU) verweist unterdessen auf die Zukunft. „Das Problem des baustellenfremden Durchgangsverkehrs erübrigt sich mit dem unmittelbaren Vorrücken der Arbeiten: Die Ortsdurchfahrt ist ab sofort am Beginn des ersten Bauabschnitts (Ludwigstraße) voll gesperrt“, erklärt er. Aufgrund der bereits aufgenommenen Straßenbauarbeiten seien die Gehwege und die Fahrbahn dort zurückgebaut – „ein Durchfahren ist nicht mehr möglich“. Mit dem Wechsel in den Bereich Burg-Gräfenröder Straße/Ecke Röderweg werde die Straße in Kürze auch dort komplett geschlossen.
Für die Anwohner bedeutet das: Sie erreichen ihre Grundstücke weiterhin, laut Stadt in direkter Abstimmung mit der Baufirma. Dass dieser Kontakt bislang „reibungslos“ stattfinde, unterstreichen Rahn und Anwohner unisono. „Die Bauarbeiter vor Ort sind stets sehr hilfsbereit“, sagt eine Anwohnerin. Sie seien durch den unverschämten Durchgangsverkehr ebenso betroffen wie sie. „Sie werden von den Autos angehupt oder sogar angepöbelt.“
Ab sofort wird für den überörtlichen Verkehr jedoch kein Durchkommen mehr sein, betont Rathaus-Chef Rahn. Für die Anwohner könnte das zunächst eine Entlastung bringen – zumindest in diesem Abschnitt und für eine bestimmte Zeit. Denn beschäftigen wird die Baustelle weiterhin: Die Arbeiten laufen bis 2027.


Themen