Bad Vilbel.
„Alles fing als Elterninitiative an“, erinnert sich Martin Gunkel. Vier bis fünf Elternpaare organisierten inmitten der Corona-Pandemie 2021 ein Sommercamp auf dem Heilsberg. „Wir wollten den Kindern ermöglichen, wieder gemeinsam etwas zu unternehmen und sich auszutauschen.“ Schnell entsteht im Stadtteil eine Gemeinschaft zwischen Organisatoren, Teilnehmern und deren Familien. „In unseren Camps geht es darum, welche große Wirkung auch kleine Taten haben“, sagt Horst Behrens. „Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, sich mit Werten auseinanderzusetzen.“
Ein echtes Herzensprojekt
Aus einer Initiative wird schnell ein echtes Herzensprojekt. Verschönerte Stromkästen, eine gestaltete Wand im Plattenweg, Insektenhotels und neue Freundschaften. Nach fünf Jahren haben die Verantwortlichen jetzt mit „Eins㈠Sein“ einen Verein gegründet. „Wir haben schnell gemerkt, dass Förderung, Haftung und Versicherung wichtige Rollen spielen bei Veranstaltungen und dass wir das als gemeinnütziger Verein deutlich besser organisiert bekommen“, sagt Gunkel.
„EinsSein“ ist jedoch kein gewöhnlicher Verein. Inspiriert von „Bahaí“-Werten stellen die Mitglieder Einheit, Gleichberechtigung, Dialog und gegenseitige Unterstützung in den Mittelpunkt. „Wir wollen stets offen miteinander kommunizieren“, sagt Gunkel, der sich selbst zu einem „Bahaí“ erklärt hat.
Das Bahaítum ist die jüngste eigenständige Weltreligion, die im 19. Jahrhundert im damaligen Persien (heutiger Iran) entstanden ist. Die Bahaí glauben an einen einzigen gemeinsamen Gott. Ziel ist die Einheit der Menschheit – ohne religiöse, nationale oder rassistische Vorurteile.
Keine religiöse Institution
Die Bahaí glauben, dass Gott in all den Jahrhunderten verschiedene Propheten gesandt hat, darunter unter anderem Moses, Buddha, Mohammed oder Jesus Christus. „Sie alle hatten eine dem jeweiligen Entwicklungsstand der Menschheit angemessene Botschaft, mit deren Umsetzung die Menschen beauftragt wurden“, sagt Gunkel. „Jesus brachte der Menschheit unter anderem das Thema Nächstenliebe. Und jetzt ist es eben das Thema, die Einheit der Menschheit zu erreichen. So ergeben die Botschaften eine Art roten Faden der Entwicklung.“
Zurück zum Verein. Dieser möchte Räume schaffen, in denen Menschen einander stärken, voneinander lernen und gemeinsam ihre Nachbarschaft gestalten können. Gunkel betont: „Wir wollen keine religiöse Institution sein und sind offen für alle Religionen und Menschen.“ Behrens ergänzt: „Werte wie Respekt und Toleranz sind ohnehin wichtig. Egal, woher man kommt und was man glaubt.“
Mittlerweile organisiert der Verein mehr Projekte als nur ein Sommercamp, was im kommenden Jahr wieder vom 27. bis 30. Mai stattfinden wird. Bei allen im Fokus: der Dienst. „Wir wollen dem Stadtteil und den Leuten etwas zurückgeben“, sagt Gunkel. Eine Aktion trägt deshalb den Titel „Sonntag ist Dienst-Tag“. So haben Kinder und Jugendliche etwa einen Zaun beim SSV Heilsberg gestrichen, Stromkästen bemalt oder eine Wand verschönert. „Nachbarschaft fängt im Stadtteil an“, sagt Behrens, der findet, „dass die Aktionen wirklich großartig geworden sind“.
Dieses Jahr hat „EinsSein“ zum ersten Mal eine Woche bei der Ferienbetreuung an der Ernst-Reuter-Schule übernommen. Außerdem ist ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt geplant. „Wir haben etwas gebraucht, aber jetzt gehen wir vermehrt an die Öffentlichkeit“, sagt Gunkel, der sich freut, mit zahlreichen Vereinen, Institutionen und der Stadt positiv vernetzt zu sein. „Besonders im Stadtteil unterstützt man einander. Das finde ich sehr schön. Daran wollen wir anknüpfen.“

