
Karben. (pm) Es ist einer der größten Einschnitte, die ein Mensch in seinem Leben freiwillig vollziehen kann: eine neue Staatsbürgerschaft. In Karben fand nun erstmals eine große Einbürgerungsfeier statt. Im glanzvollen Rahmen erhielten sieben Personen ihre deutsche Staatsbürgerschaft. Knapp 30 weitere Karbenerinnen und Karbener, die bereits in den vergangenen Monaten eingebürgert wurden, wurden zu feierlicher Musik und eindrücklichen Reden in ihrer neuen Heimat ebenfalls willkommen geheißen.
Genau genommen geschieht eine Einbürgerung immer in einer öffentlichen Feierstunde, so will es das Gesetz. »In der Praxis bedeutet das allerdings, dass wir in unserem Büro die Tür aufmachen und eine kleine Deutschlandfahne auf den Schreibtisch stellen«, erklärt Petra Marx, Standesbeamtin im Karbener Rathaus, mit einem Schmunzeln. So oder so ähnlich wird es in vielen Rathäusern des Landes praktiziert, wenn ein Mensch aus einem anderen Land formell die deutsche Staatsbürgerschaft erhält. Für Karben allerdings hatte die Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr etwas anderes beschlossen: eine zentralen Einbürgerungsfeier. Diese wurde nun unter anderem von Petra Marx im großen Rahmen organisiert und vollzogen. Über 80 Gäste versammelten sich zur Einbürgerungsfeier, darunter fast 40 in den letzten 15 Monaten eingebürgerte Personen und ihre Angehörigen. Die Kommunalpolitik war durch Mandatsträger aus Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeiräten und Magistrat sowie den Ausländerbeirat vertreten. Sie alle erlebten einen Abend, der auf beeindruckende Weise zeigte, was eine Einbürgerung für einen Menschen und die Gesellschaft bedeutet.
Begrüßt wurden die Gäste im feierlich geschmückten Rathaus-Saal von Karbens Erstem Stadtrat Thomas Schrage. Er unterstrich in seiner kurzen Rede die Bedeutsamkeit des Augenblicks: »Für die meisten Menschen ist die Staatsbürgerschaft keine aktive Entscheidung, für Sie hingegen schon. Das macht diesen Vorgang umso bedeutsamer. Für die Karbener Stadtgesellschaft, für Deutschland und für Sie selbst, ist das ein besonderer Moment.« Welch steiniger Weg zu gehen ist, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, fasste Petra Marx anschließend zusammen. »Sie haben sich durch 21 Seiten Antragsformulare gekämpft, die Sprache gelernt, Prüfungen abgelegt und viele Wochen geduldig warten müssen. Die Einbürgerung ist das stärkste Bekenntnis zu unserem Land. Sie signalisieren uns, dass sie sich bei uns zu Hause fühlen.«
In ihrer Rede ließ Petra Marx nicht unerwähnt, für welche Werte die deutsche Staatsbürgerschaft steht: »Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung, die Gleichheit von Mann und Frau und das Recht zu wählen, dafür steht die deutsche Staatsbürgerschaft und das alles braucht Ihr Engagement. Nun sind Sie deutsche Staatsbürger ohne Wenn und Aber! Wir laden Sie dazu ein: Bringen Sie sich in Karben mit Ihren Fähigkeiten ein.« Dass die Einbürgerung nicht nur Rechte mit sich bringt, sondern auch Pflichten, betonten auch der Stadtverordnetenvorsteher Kai Uwe Fischer sowie die Vorsitzende des Ausländerbeirates Ekatarini Giannakaki in ihren Grußworten.
»Eine Einbürgerung bedeutet mehr als nur einen neuen Pass zu bekommen«, unterstrich Kai Uwe Fischer, »Sie übernehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft!« Ekatarini Giannakaki zeigte passend dazu auf, wie einfach das in Karben möglich ist: »Karben ist eine Stadt, in der Offenheit gelebt wird. Ich bin mir sicher, sie werden sich hier wohlfühlen und viele Möglichkeiten finden, sich für die Gesellschaft einzubringen.« Sie warb bei dieser Gelegenheit für die im kommenden Jahr wieder stattfindende Wahl zum Ausländerbeirat, da sich hier auch Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft als Kandidaten aufstellen lassen können.
In Karben Fuß gefasst
Wie gelungene Integration auch aussehen kann, verdeutlichte Karbens Bürgermeister Guido Rahn, indem er zwei besondere Personen zu sich nach vorne holte: George Gorggis stammt aus Syrien und lebt seit seiner Flucht in Karben. Inzwischen arbeitet er hauptamtlich als Flüchtlingsbetreuer für die Stadt Karben und erfreut sich bei Geflüchteten wie bei Kollegen großer Beliebtheit. Auf eine ebenso besondere Laufbahn blickt Bashir Ahmad Rahimi zurück, der als Geflüchteter aus Afghanistan nach Karben kam und nun im Außendienst der Karbener Stadtpolizei für Recht und Ordnung sorgt.
Neben Rahimi stand auch für zwei Familien die Einbürgerung live im Rahmen der Feierstunde an. Gemeinsam sprachen sie, angeleitet von Petra Marx, das Bekenntnis zum deutschen Staat und erhielten unter großem Applaus ihre Urkunden. Für alle Anwesenden im Saal war die Bedeutsamkeit des Augenblicks spürbar.
Begleitet wurde der feierliche Abend von einem Ensemble der Karbener Stadtkapelle, das mit modernen Musikstücken für fünf Bläser die Feier umrahmte. Im festlich geschmückten Rathaus-Saal lagen neben dekorativen Blumen auch kleine Grundgesetze aus, für Kinder fand sich im hinteren Bereich eine Spielecke und ein leckeres Buffet bot einen kleinen Abendsnack sowie die beliebten Datteln zum Beginn des Fastenbrechens. Die aufmerksame Organisation von Petra Marx und ihrem Kollegen Ralph Wilhelm wurde von den Gästen des Abends, den Familien der neuen Staatsbürger und Vertretern der Stadtpolitik sichtlich wertgeschätzt. Dieses feierliche Format für die Einbürgerungen in Karben soll in größeren Abständen eine Wiederholung erfahren, um diesen bedeutsamen Vorgang hervorzuheben.